Stephan Porombka

Fine-Tuning

Der Rausch der Gegenwart: Von der Lebensflucht zur Lebenskunst


Von der Lebensflucht zur Lebenskunst

Diese grundsätzlichere Veränderung des Umgangs mit dem, was man als Rausch versteht (was nämlich immer auch den kleinen Rausch, den minimale Manipulation des Hormon- und Gefühlshaushalts einbezieht), öffnet natürlich auch neue Blicke auf die Rauschmittel selbst. Hierzu zählen jetzt nämlich nicht mehr nur die Schwergewichte, mit denen man sich außer Gefecht setzt. Gepflegt wird auch die Aufmerksamkeit für alles, was man sich zuführen oder zumuten kann, um den eigenen Synthesizer umzustellen. Nicht zufällig führt ein Bestseller der Subkultur das Versprechen „High sein ohne Drogen“ im Titel. Vorgestellt werden hier Übungen, mit denen man sich in einen ‚anderen’ Zustand versetzen oder zumindest doch in den Vorraum einer solchen Erfahrung kommen kann.

Mit diesem paradigmatischen Wechsel der Rauschkultur kann man also vielmehr beobachten: nämlich alles – im Hinblick auf das, was es mit einem macht, wenn man es ausprobiert. Und man kann auf dieser Grundlage Übungen zum Fine-Tuning entwickeln, die nichts mehr mit den alten Himmel- und Hölle-Diskursen zu tun haben, sondern sich eher an die Tradition des Nachdenkens über Lebenskunst anschließen.

Diesen Anschluss sucht die neue Ausgabe von lit08.de. Hier geht es auch, aber eben nicht nur um den großen Rausch. Es geht um das mittlerweile so komplex gefaltete Feld des Rausches und der Berauschung. Hier nähern sich die Autoren und Autorinnen allerlei einzelnen Mitteln und Möglichkeiten, um ihre Wirkungen zu bestimmen.

In diesem Sinn steigt lit08.de selbst in ein Experiment ein, von dem noch nicht klar ist, zu welchen Wirkungen es führt. Nur klar ist: Hier wird nicht mehr das große Rauscherlebnis als Eintritt ins Himmelreich gefeiert. Genauso wenig wird der Drogenkonsum als letzte Höllenfahrt des modernen Kaputtmenschen verdammt. Es geht um ein feineres, genaueres Hinsehen und ein genaueres und feineres Hören. Dementsprechend geht es auch um ein feineres Notieren und Fixieren von Phänomenen, von Themen, von Artefakten, die in dieses neue Rauschfeld hineingehören.

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Copyright © Stephan Porombka – Apr 15, 2008