Meike Blatzheim

Ohne Worte mit Musik

Warum Feiern eine unheimliche Qualität haben soll, zeigt Mara Classens Dokumentarfilm leider nicht


„Der Freund steigt ins Taxi und sagt zum Abschied den berühmten letzten Satz. Und wir erzählen uns später, wie der Moment war, der uns in dieser Stunde der Not und Zerrüttung ein letztes rettendes Restchen an Würde zurückgegeben hat. Nein. Wir hören nicht auf so zu leben.“ Ravende Menschen. Trinkende, rauchende, kiffende Menschen. Tanzende Menschen. Techno-Beats. Und darüber gesprochen: Diese Zeilen aus Rainald Goetz’ „Rave“ – so endet Mara Classens Dokumentarfilm „Feiern“ über die Berliner Technoszene.

Glück und Absturz

Begonnen hat er mit ähnlichen Bildern – und ebenfalls mit einem Rainald-Goetz-Zitat: „Ohne Worte, echt. Das war sozusagen unser Glücksgedicht“, heißt es da. Ohne Worte und mit Musik, Emotionen, Community. Die beiden Pole, um die die Interviews mit Szenekennern (fashion designer, label owner, dj, producer, bar owner, ...) kreisen, sind benannt: Glück und Absturz, Einssein mit der Welt und Einsamkeit, die immer viel zu nah beieinander liegen.

Ein Porträt in 19 Gesprächen, 56 Nächten und 13 Tracks, heißt es in der Vorankündigung zum Film. Tatsächlich kommt „Feiern“ als Zusammenschnitt von Interviews und Rave-Szenen nicht ganz so spektakulär daher. Die Tracks sind nach Themen geordnet, da geht es um den ersten Rave, die „erste Nase“, Sex auf Partys, um tiefgehende Gespräche mit Fremden, Albernheiten und um die Liebe zur Musik. Um Sucht, Ekstase, Rausch.

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Copyright © Meike Blatzheim – Apr 15, 2008