Gwendolin Stolz

„Ich komm aus Kreuzberg, du Muschi.“

Bettina Blümner bringt den Berliner Kiez ins Kino


Eine kleine Küche. Durch das geöffnete Fenster sieht man einen dieser typischen Berliner Hinterhöfe. Hausbewohner, die ihre Köpfe aus dem Fenster strecken. Man hört Kindergeschrei. Im Inneren der Küche Klaras Mutter: Mini- Dauerwelle, Kippe im Mund, sie kocht Tee.
Die fünfzehnjährige Klara hat sich ebenfalls rauchend am Küchentisch niedergelassen. Sie trägt ein bauchfreies Top und kunstgebleichte Jeans, blonde Haare, perfekten Lidstrich und etwas unnahbar Spöttisches im Blick. „Ich bin ja nicht so der Kontrollfreak“, sagt Klaras Mutter, „oder hättest du mehr Regeln gewollt?“ Sie wendet sich an die Kamera: „Zwei Sachen: Kein Heroin und nicht schwanger werden, die zwei Grundsätze haben wir und ich finde, das klappt gut so, oder?“

Was die Thematik Drogen und Rausch mit dem Film „Prinzessinnenbad“ von Bettina Blümner zu tun hat, scheint auf der Hand zu liegen. Alleinerziehende Mütter. Ungezogene Mädels, aufgewachsen in Kreuzberg, dem „Problemviertel“ Berlins. Die Vorurteilsschiene rattert: Klar, das ist so eine Milieustudie, wo man ein paar „Atzenkindern“ beim Leben zuschaut, nur um dann festzustellen, dass die Stadt den Kindern nicht gut tut, dass sie schon viel zu früh Drogen nehmen, sich permanent zu saufen, ihre Kindheit verlieren, keinen Halt haben im Leben und sowieso schon bald zu den Versagern unserer Gesellschaft zählen werden. Und dann schaut man sich diesen großartigen Film von Bettina Blümner an und ist auf einmal unsagbar erleichtert. Denn so einfach ist es zum Glück nicht.

Prinzenbad

Klara und ihre Freundinnen Mina und Tanutscha sind fünfzehn. Sie kennen sich schon seit der Kindheit. Als beste Freundinnen teilen sie die gleichen Interessen: Jungs, Schule, Partys, und immer wieder das Prinzenbad im Herzen Kreuzbergs. Die Welt, in der sie aufwachsen, ist kein Idyll: Sie leben mit dem Chaos der Großstadt, mit den Problemen der Patchworkfamilie, mit dem Lärm des Multikulti-Kiez. Die Mütter sind häufig mit sich selbst beschäftigt, oft hilflos und überfordert. Die Väter fehlen.

Doch in den Kleinstfamilien wird über alles geredet: über Liebeskummer, über Alkohol und Drogen, über Regeln von und für beide Seiten. Diese Gespräche verlaufen längst nicht so, wie in einer intakten Klischeefamilie. Trotzdem: In jeder Filmminute bleibt spürbar, dass es die Familienbande authentisch sind, dass sie funktionieren.

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Copyright © Gwendolin Stolz – Aug 15, 2008