Simone Unger

Und wenn nichts ist, ist Gruppenrausch

Im Gespräch mit der ‚Fräulein Wunder AG’ über Kollektiv und Gurken, Swingerclubs und maximale Ineffizienz.


Für das Freischwimmer-Festival hat sich das Hildesheimer Theaterkollektiv „Fräulein Wunder AG“ auf Rausch-Suche begeben. Entstanden ist die Inszenierung (I can`t get no) Satisfaction, die am 11. März in den Sophiensälen Berlin Premiere hatte. Im Vorfeld traf Simone Unger drei der sechs PerformerInnen. Melanie Hinz, Vanessa Lutz und Verena Lobert berichten von strategischer Naivität, organisierten Ausnahmezuständen und dem perfekt vermittelten Bühnen-Augenblick.

Freitagabend in Hildesheim. Im Café sind wir die einzigen Gäste, der Kellner kommt, zündet die Kerzen an, wir bestellen Rotwein und Bionade.

Lutz: Kannst Du bitte die Kerzen wieder ausmachen? Ich bin noch ein bisschen nervös, wenn ich Feuer sehe. Bei uns hat es neulich gebrannt, wegen eines Körnerkissens, und ich musste nackt durch einen Feuerring gehen, die ganze Tür stand schon in Flammen!

lit: Hast Du Dich verbrannt?

Lutz: Nein, aber das war wirklich eine Grenzerfahrung.

lit: Davon habt ihr in den letzten Monaten ja so einige gehabt.

Hinz: Ja, das kann man sagen. Wir haben ein Rauscherlebnisprogramm absolviert, so eine Art Rausch-Hopping.

lit: Wie seid ihr da konkret vorgegangen?

Hinz: Unsere erste Idee war, alle fünf Städte, in denen das Freischwimmer-Festival stattfindet, nach ihren Rauschorten zu untersuchen. Wir haben dann begonnen, Anzeigen in Zeitungen, Stadtmagazinen, Online-Foren zu setzen, in den verschiedensten Rubriken von Erotik bis Sport.

Lobert: Wir interessierten uns für die sozialen Praktiken von Rausch, egal ob die mit Alkohol oder anderen Substanzen getriggert sind. Es ging um das Erlebnis.

Hinz: Also haben wir nach Orten gesucht, wo es Transformationsprozesse, Grenzerfahrungen gibt, und überlegt, wie wir daran teilhaben können. Und dann haben wir schnell gemerkt, dass dieser Idealzustand von Rausch, der sich gegen den Kapitalismus wendet, komplett utopisch ist.

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Copyright © Simone Unger – Apr 15, 2008